Bericht vom gemeinsamen Probetag am 11.11.2017

In der Musik sind die Kirchen eins

Das Reformationsjahr 2017 geht zur Neige und mit ihm eine Fülle geistlicher, kultureller, musikalischer Veranstaltungen. Dass das Reformationsjubiläum nicht nur für Protestanten ein Grund zum Feiern ist und auch im Sinne einer "gelebten Ökumene" begangen wurde, haben vor allem musikalische Großprojekte wie das Oratorium "Luther" gezeigt, bei dem Sängerinnen und Sänger beider Konfessionen gemeinsam in einem riesigen Chor die Geschichte Luthers besangen.

Zum Ende des "Lutherjahres" wird auch die Hainstadter Kirche St. Magnus Schauplatz eines, wenn auch nicht ganz so großen, ökumenischen Konzertes. Zusammen mit dem Evangelischen Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg wird der Kinder-, Jugend-, Kirchen- und Projektchor St. Oswald am 26. November das "Magnificat" von John Rutter aufführen. Außerdem erklingt die 5. Symphonie von Ludwig van Beethoven.

Ideengeber für die außergewöhnliche Veranstaltung waren der evangelische Dekan Rüdiger Krauth und der Bezirkskantor für das Evangelische Bezirkskantorat Hyun Soon Park.

Für beide war es wichtig in der Fülle der Veranstaltungen des Reformationsjahres bewusst auch einen ökumenischen Akzent zu setzen: "Die Einheit mit der katholischen Kirche in der Kirchenmusik", sagt Park, "war immer mein Motto. Die Musik gibt uns die Möglichkeit, unseren Gott zusammen zu loben".

Die Verbundenheit beider Konfessionen sei schließlich auch in Luthers Sinn gewesen: "Das Anliegen Luthers war es ja nicht, eine neue Konfession entstehen zu lassen, sondern er wollte mit guten Argumenten seine Kirche erneuern. Diesen Impuls möchte ich heute aufgreifen und fragen: Wie können wir unsere Kirchen, die doch den gleichen Auftrag und den gleichen Herrn haben, erneuern?", erklärt Dekan Krauth. Durch die Vielfalt der Kirchenmusik gelinge es, unzählige Menschen zu erreichen und ihnen die Botschaft von Kirche und Gottesdiensten zu vermitteln.

Wie die Botschaft der Ökumene auch musikalisch vermittelt werden kann, darüber hat Bezirkskantor Hyun Soon Park lange nachgedacht. Die Wahl fiel schließlich auf das "Magnificat" in einer Vertonung des Komponisten John Rutter: "Ich musste ein Stück finden, das wir für die Reformation von Martin Luther gemeinsam musizieren können. Deswegen habe ich das ,Magnificat' ausgewählt, weil Marin Luther das Magnificat sehr geliebt hat", berichtet Park.

Das "Magnificat" stellt den Lobgesang Marias im Lukasevangelium dar, welcher mit den lateinischen Worten: "Magnificat anima mea dominum" ("Meine Seele preist den Herrn") beginnt. Diese bedeutenden Worte der Bibel werden harmonisch von der Komposition Rutters aufgegriffen, dessen musikalischer Stil sich für Kirchenmusiker Horst Berger, den Leiter des Kinder-, Jugend-, Kirchen- und Projektchors vor allem durch "wunderbar gefühlvoll dahinschmelzende Balladen" auszeichnet, während die Behandlung des Orchesters wiederum an "abwechslungsreiche Filmmusik" erinnere.

Neben dem ökumenischen Chor wird am Projekt auch ein großes, romantisches Symphonieorchester mit Harfe und drei Schlagzeugern mitwirken, sodass in der Summe 200 Musiker und Sänger am Projekt beteiligt sind, die abwechselnd von den Kirchenmusikern Park und Berger dirigiert werden.

"Natürlich braucht es bei so einem großen Konzert immer Zeit, bis alle Abläufe reibungslos sind. Aber das Ergebnis entlohnt umso mehr", berichtet Horst Berger.

So werden auch die letzten zwei Wochen vor dem Konzert in der Kirche St. Magnus genutzt, um den Klang und das Zusammenspiel aus Orchester und Chor weiter zu optimieren, damit am 26. November mit dem "Magnificat" ein wahres Finale des Reformationsjahres gefeiert werden kann.

RNZ vom 21.11.2017 von Alisa Götzinger

Zurück